Donnerstag, 1. Juli 2021

HOME IS WHERE YOUR HEART IS

In der Hippiebewegung der 1960er weit verbreitet, hat sich der Spruch „Home is where your heart is“ bis heute erhalten.

 


Die Herz-Pfütze vor dem Living Dojo



Nach längeren Regenfällen* bleiben auf dem Hof vor dem Gebäude des Living Dojo Pfützen übrig. Eine davon ist eine ganz besondere — ich ließ meinen Blick aus dem Fenster schweifen, als ich sie zum ersten Mal wahrnahm. Beim zweiten Mal kam ich von der Straße und ging auf den Hauseingang des Dojo zu. Der Anblick dieser besonderen Regenpfütze und der darauffolgende Anblick der Living Dojo-Logos oben an der Fensterfront, ließen mich spontan den obigen Spruch assoziieren.


Nur dort, wo wir mit dem Herzen sind, können wir uns gut = „zuhause“ fühlen.

Das ist eine einfache, aber schlüssige Erklärung, warum wir uns hie und da, allein oder mit dem ein und anderen wohlfühlen oder eben nicht.

 

Wer die positive Wirkung sowohl des Trainings im Living Dojo, wie die des lichtdurchfluteten Tatami-Raums und der Living Dojin selbst erfahren hat, der findet dort ebenfalls ein Stück temporäres Zuhause — eben einen Ort (jap. „Jo“), in dem sein Herz sein kann; „sein“ im Sinne von DU.BIST.JETZT. (s. Juni-Post 2021).

 

*Zurzeit haben wir ja einen regenreichen Sommer. Da bietet sich die Regenmeditation des Living Do an. Über diese habe ich unter dem Titel „Regenriecher“ einen Post im Mai 2020 geschrieben. Der damalige Blog ist nicht mehr existent, deshalb hier noch einmal in überarbeiteter Form der Post.  

 

 

Die Regenmeditation des Living Do

 

Eine Anmerkung vorab

Regentropfen binden Staubpartikel und Aerosole, die in die Atmosphäre aufgestiegen sind. Diese Bestandteile bestimmen den pH-Wert des Regens. Im Zuge des sauren Regens mögen die „K-Übung“ und die „G-Übung“ aus dem VAKOG-Komplex zweifelhaft bis obsolet erscheinen. Es gibt durchaus Orte auf diesem Planeten, da sind sie es mit Sicherheit, wie zum Beispiel im chinesischen Benxi (s.u.), in der die Schwerindustrie metastiert.   

 

Stahlindustrie in Benxi, Liaoning, China
(Foto: Andreas Habich, Lizenz: CC BY-SA 3.0), 2013
 

 


Die Anleitung zur Regenmeditation des Living Do bezieht sich idealerweise auf einen verträglichen Regen, so es ihn noch gibt ... Ansonsten gelten die VAKOG-Kriterien allgemein für alle Achtsamkeits- und Wahrnehmungsübungen des Living Do.

 

 

VAKOG


Die fünf Hauptsinne kannst du dir gut mit der Formel VAKOG merken. Dabei steht

V für den Sehsinn (visuell)

A für den Hörsinn (auditiv)

K für den Lage-, Kraft- und Bewegungssinn (kinästhetisch) und für den Tast- und „Fühlsinn“ (haptisch und taktil)

O für den Geruchssinn (olfaktorisch)

G für den Geschmackssinn (gustatorisch). 

 

Die meisten Menschen begegnen dem Regen ambivalent; und das zwangsläufig, weil wir Ambivalentswesen sind — wir können uns nach langer Trockenheit sowohl über den Regen freuen, nach langer Dauer ihn uns wegwünschen oder ihm sogar feindlich gegenüberstehen, wenn er die aufwändige Gartenparty buchstäblich ins Wasser fallen lässt und womöglich noch größere Schäden anrichtet.    

 

Jeder von uns hat sein persönliches Verhältnis zum Regen. Diesem kann er durch die Regemeditation des Living Do neu begegnen. Eine Anleitung dazu folgt hier.     

 

Die Regenmeditation kann — wie alle anderen Meditationen — stehend, sitzend oder liegend ausgeführt werden. Je nachdem, wo du gerade bist und wie weit du deine Achtsamkeit schulen willst, kannst du dir einen der Sinneskanäle aussuchen und bei diesem bleiben oder aber von einem Sinneskanal zum nächsten wechseln. Dabei kannst du die durch VAKOG vorgegebene Reihenfolge anwenden.

 

V = Was sehe ich?

Beobachte den Regen. Die Tropfen. Versuche ihren Weg zu verfolgen. Lass das Gesamtbild auf dich wirken. Bis du gerade geschützt am Waldrand, und kannst von dort auf weite Wiesen schauen? Oder in der Stadt, und siehst wie einzelne Tropfen in die Pfützen schießen, von Regenrinnen fließen oder an deinem Fenster ein Muster zeichnen. Gibt es Blitze?

 

A = Was höre ich?

Schließe die Augen und konzentriere dich auf das Geräusch des Regens. Ist es gleichbleibend oder verändert es sich? Mischen sich andere Geräusche darunter? Vogelgezwitscher? Stimmen? Donner? Motorenlärm?

 

K = Was spüre ich?

Bist du unter Dach, wirst du die unmittelbare Nässe des Regens nicht spüren, allenfalls Wind im Gesicht, wenn dieser mit dem Regen einhergeht. Bist du am oder an der See schwimmen, kannst du ihn in vollen Zügen, mit Haut und Haar, spüren. Du kannst ihn einfach nur spüren oder aber tiefer gehen und dich fragen: „Was macht der Regen mit mir? — Was denke ich? Was fühle ich? Was mache ich mit dem Regen?“

 

O = Was rieche ich?

Für die meisten Menschen riecht der Regen wohl neutral. Vielleicht gehörst du zu den Menschen mit einem besonders ausgeprägten Geruchssinn, und kannst eine ganz spezifische Regen-Duftnote erriechen. Atme tief und lasse dich auf die Übung ein.

 

G = Was schmecke ich?

Wenn du die Gelegenheit hast — die See-Situation ist dazu optimal — nimm den Kopf in den Nacken, öffne weit den Mund und lasse dir die Tropfen auf die Zunge regnen. Konzentriere dich auf den Geschmack.


  • Führe alle Übungen nach der ersten mit geschlossenen Augen durch.
  • Die ganze Regenmeditation dauert so lange wie du willst, beziehungsweise so lange wie der Regen mitmacht.

 




Home is where the rain comes down on you …

 



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