Donnerstag, 27. August 2015



Kollegah?
Auf meinen letzten Post „Reduktion“ enthielt der Kommentar einer Freundin unter anderem folgende Worte: „Bleib dran. Du schreibst gut. Manchmal etwas verschwurbelt. Aber die Themen sind gut. Vielleicht noch mehr über Zeitgeistiges, mehr über Persönliches. Oder mal rotziger und provokanter, und nicht immer so gutmenschorientiert. Üb doch auch mal Kritik, zum Beispiel über das ganze Gepose im Netz. Schreib doch mal über unsere Rapper wie Kollegah, die Muskeln als Lifestyle propagieren und über/durch Lügen fett Kohle machen.“

Danke für das Feedback. Hierzu meine Gedanken:

Verschwurbelungen
Hier geht es also um die rechte Formulierung, was immer man darunter verstehen mag. Wo fängt es an, wo hört es auf? Diese Frage lässt sich nahezu in allen Bereichen menschlichen Tuns stellen. Für Texte mag wohl gelten, was für einen Wenigleser schwer verständlich klingen mag, ist für einen Vielleser solide ausgedrückt. Es ist eine Frage des Levels. Mir bereiten akademische Texte Schwierigkeiten — Schwerverständlichkeit in Form von Schwurbilität gilt gerade in den Geisteswissenschaften immer noch als Auszeichnung — hier stoße ich eben an meine Grenzen. Mein Blog ist bestimmt nicht akademisch und ich denke, im großen Ganzen verständlich.

Zeitgeist
Die Living Dō-Themen sind alle mit Zeitgeist verbunden — Living Dō ist Zeitgeist. Letztlich geht es mir wie schon in vorigen Posts erwähnt, nicht darum, Aktuelles aus dem Weltgeschehen zu reproduzieren. Das wäre ein uferloses Unterfangen (… wir erinnern uns: wo anfangen, wo aufhören?): Ukraine-Konflikt, Türkei vor Einführung des Kriegsrechts? Grexit, Euro-Krise, Flüchtlings- und Asyldrama, Syrien, Libyen, ISIS, China Börse und Yuan-Abwertung, Währungskriege, Überschuldung der Welt, Spannungen zwischen Nord- und Südkorea, neue Südamerikakrise, Börsen auf Talfahrt, TTIP, etc., etc., etc. Mich dazu inhaltsstark zu äußern, fehlt mir — das gebe ich unumwunden zu — die Kompetenz. Dieses Manko teile ich wohl mit der Mehrheit. Wir besitzen, bezogen auf die aufgeführten Themen, so wenig Wissen, dass Äußerungen hierzu mehr als mangelhaft sind. Für die Vertiefung in politische und wirtschaftliche Themen bieten sich ungezählte Möglichkeiten durch die Medien, das Netz mit x Foren, und "Spezialisten". Dafür braucht es diesen Blog nicht.

Gutmensch
Ich schreibe ehrlich, aufrichtig und ja, gutmenschorientiert. Der Begriff des Gutmenschen ist von — wie kann es anders sein — der Intellektuellenszene recht breitgetreten und kritisiert worden. Das ist ja das Gute und Schlechte zugleich. Es gibt nichts, worüber man gegenteilig schreiben kann. Es macht aber doch einen nicht unerheblichen Unterschied, ob man über etwas bloß schreibt oder es lebt und darüber schreibt. Ich zähle mich der zweiten Gruppe zugehörig. So viel zu: „mehr über Persönliches“.

Provokanter Rotz
Rotzig und provokant zu schreiben ist für mich weder ein Qualitätsmerkmal noch ein Bürge für bessere Resonanz für Texte. Im Spirituellen braucht es dieses Stilmittel im Grunde nicht, es sei denn man nennt/nannte sich Osho oder wandelt auf seinen Pfaden, was ich nicht tue. Darum kommen meine Posts in der Regel ohne Provokation aus. Es liegt natürlich auch daran, dass ich von meiner Natur wenig bis gar nicht provokant bin, eher versuche und übe ich mich im Sinn der Rechten Rede.

Netzgepose und Kollegah
Mich über dieses Thema auszulassen, ist für mich nicht diskutabel. Ich habe durch den Kommentar initiiert, ein gutes Quantum an Zeit investiert, um Belege für Netzgepose zu sammeln. Letztlich bin ich vielleicht auf ein Dutzend professionelle Poser aus der (hauptsächlich YouTube-)Fitnessszene und der Rapszene gestoßen. Die Quintessenz meiner Bemühungen ist letztlich die Erkenntnis, dass es sich dort um einen großen Marketingzoo handelt, in dem jeder um die besten Fleischstückchen buhlt.  Was die Muskelkritik um Kollegah und Kollegen anlangt, geht es wohl um Steroidmissbrauch unter dem Deckmantel gesunder Ernährung. Das Thema wird mit einem Dutzend anderer, die sich ständig wiederholen, rauf und runter gelabert. Sich das alles anzuhören, nenne ich Zeitvergeudung par excellence.

Es bleibt bei der Erkenntnis Weniger ist mehr.  Jeder muss für sich selbst entscheiden, wo er sich hinwenden und wovon er sich abwenden will. Konsum und Ablenkung von sich selbst ist jeden Fall nicht der richtige Weg. 

Songempfehlung: 
Hurricane von Bob Dylan; nicht nur der Geige wegen.