Mittwoch, 15. April 2015

THINK.FEEL.ACT. - Wo Kreise sich schließen

Brain, Body & Soul oder Die Anfänge
„Axel, kommst du mal?“ Die neunjährige Lea bedeutet mir mit einer winkenden Handbewegung ihr durch das Budo Gym zu folgen. Nach dem Grund befragt, gibt sie mir zur Antwort: „Drei Mal habe ich Brain, Body & Soul in dieser komischen Schrift entdeckt.“ Jetzt will sie mir die Fundorte präsentieren. Der erste ist nicht zu übersehen, der Schriftzug prangt in großen, schwarzen Buchstaben auf dem weißen Putz in der Damenumkleide. Der zweite ist die Westwand des Dōjō, unweit der hinteren Stirnseite des Tresens hängt ein graviertes Messingschild, geschenkt zum 5-jährigen Jubiläum der Sportschule.  
  
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Um den dritten Fundort anzusehen, müssen wir vor die Haustür treten, dort steht der Schriftzug gedruckt auf einem Acrylschild neben dem Eingang. Hier haben wir sogar noch die graphische Finesse der Invertierung angewendet, ein gestalterisches Mittel, das zwar nicht gänzlich aus der Mode gekommen, aber doch nicht mehr so oft anzutreffen ist. 
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Später sehe ich auf das Plakat über der Tür im Warenlager, lese Brain, Body & Soul und denke an Lea — diesen vierten Fundort kennt sie nicht, und auch mir fiel er nicht ein bei ihrem Entdeckungsgang.  Das Plakat trägt das Datum der Veröffentlichung und ich erinnere mich: 
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1992. Das Budo Gym Augsburg steht im dritten Jahr. Ich plane eine neue Werbekampagne, die unser Alleinstellungsmerkmal, USP wie es im Marketing abgekürzt wird, nach außen tragen soll. Da ich schon damals einen gezielten Einsatz von Anglizismen kultiviere, zudem bewusstes Reduzieren „Weniger ist mehr“ auf das Wesentliche, gestaltet sich der Slogan nicht wie allgemein Usus, in einer einprägsamen Phrase, sondern in einer abgewandelten Aufzählung dreier Begriffe, die als Trinität im Spirituellen durch die Jahrhunderte Weltruhm erlangten: 
Körper, Geist und Seele.
Nicht nur den Erfordernissen der Alliteration geschuldet, mündet meine Abwandlung in „Brain, Body & Soul“. Ich ziele auf den bewussten Einsatz des Intellekts ab — kognitive Fähigkeiten werden gerade in der Philosophie der Kampfkünste gefordert, obwohl sie mainstreamig eher negiert werden — weshalb ich den Begriff Brain, für Gehirn, wähle und nicht Mind oder Spirit. Letztes impliziert das Wort Soul und kommt durch dieses zum Ausdruck. Da Kampfkunst sich durch den Körper als das Medium äußert, ist Body unabdingbar.  So ziert der Dreiklang „Brain, Body & Soul“, geschrieben in einer recht wuchtigen Brush-Typo, Flyer und Plakat.

Arashi-Power und San-in-Kreis 
 
www.axelgora.de2001. Mein Sachbuch Arashi-Power, ein Ratgeber für bewusste Lebensveränderung erscheint im Hermann Bauer Verlag. Im Kapitel „Bewahrer des Windes“ führe ich unter verschiedenen Methoden, sich weiterzuentwickeln den San-in-Kreis auf. San-in ist japanisch und bedeutet „Drei in eins/Einem“. Der San-in-Kreis ist ein durch das Kanji hito (Mensch) dreigeteilter Kreis. Er symbolisiert das Phänomen, dass wir biologische, mentale, emotionale, physiologische, … Aspekte zwar strukturell und thematisch auflösen können, sie in ihrer holistischen Natur aber nicht zu trennen sind. Neben der Dreiheit „Geist – Körper – Seele“ führe ich noch „Kind – Krieger – Weiser“ und „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“ an.

Damals wie heute ist die Idee des San-in-Kreises eine Konzentrations- und damit eine Denkhilfe für assoziatives Denken zu bieten: Über konstruierte Dreierkombinationen und intensives geistiges Auseinandersetzen mit diesen, lässt sich nicht nur die Denkfähigkeit steigern, sondern ein Gefühl für die Zusammenhänge des Alltags entwickeln. Bei weiterer tiefer Auseinandersetzung führt dieses Gespür letztlich zu einer (spirituellen) Gewissheit in die Holistik des Lebens. 
Der San-in-Kreis ist der Vorgänger eines Denkmodells, das 15 Jahre später unter dem Slogan „Think triadic“ von mir weiter entwickelt werden soll.    


Living Dō
2013. Seit Arashi-Power sind 12 Jahre vergangen, insgesamt neun Bücher publiziert und verschiedene Entwicklungsstufen durchschritten. Trennungen und Abschiede wie neue Begegnungen und Gespräche mit spirituellen Menschen, einschlägige Lektüre und vor allem viel und langes Nachsinnen über den eigenen Weg bringen das Konzept des Living Dō hervor. 


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Think.Feel.Act.
2015. Living Dō entwickelt sich weiter. Inzwischen ist es zu einem holistischen Lebenskonzept gediehen, das ich wegen seiner Komplexität Schülern und Seminarteilnehmern nur in reduzierten Anteilen nahebringen kann, soll es in seiner Ganzheit verstanden, besser noch verinnerlicht und letztlich gelebt werden. Auch erfährt die Triade Brain, Body & Soul mit Think.Feel.Act. zeitgenössische Renaissance und Fortschritt: die Substantive sind Imperativen gewichen, deren Typographien ihrem Charakter angepasst, Komma und Pluszeichen durch Punkte ersetzt. Aussage und Botschaft jedoch bleiben die gleichen. 


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8 Triaden statt 3 Kreise
Das Herzstück des Living Dō sind die 8 Triaden, die acht Dreiergruppierungen von Aspekten, die alliterativ aus dem Apronym K-A-R-A-T-E-D-Ō hervorgehen. Zuvor hatte ich die Aspekte noch in 3 Kreise unterteilt; durch die Aufteilung in Triaden wurden diese jedoch obsolet. 
So stehen zum Beispiel für das K die Triade Konzentration – Klarheit – Konzentration, für das R die Triade Ruhe – Rhythmus – Reduktion
Es sind also insgesamt 24 ausgesuchte Aspekte, die es gilt kognitiv und emotional als auch sensorisch und motorisch zu erfahren. Das wiederum kann nur im und durch das aktive und körperliche Training geschehen. 

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Think triadic
Das Triadische Denken ist der mentale Part des Living Dō — Living Dō versteht sich ja auch als physio-mentales Training. Triadisches Denken ist das bewusste Konzentrieren der Gedanken entweder auf eine der alliterativen Triaden (z.B. Ruhe – Rhythmus – Reduktion) oder auf eine aus den 24 Aspekten selbst erstellte Triade wie zum Beispiel Klarheit – Ordnung – Aktion.    
  
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Diese Ausführungen mögen sich für den ein oder anderen recht kryptisch anhören, das ist der konzisen Abhandlung der Inhalte geschuldet. Komplexe (Denk-)Systeme komprimiert wiederzugeben, heißt, sie zwangsläufig zu abstrahieren.  Es bedarf weiterer Erläuterungen. Diese müssen ausführlich sein und mit Beispielen versehen, damit das System im Ganzen nachvollzogen und damit praktisch gelebt werden kann — was nützt mir Theorie, die ich nicht in die Praxis umsetze? Dafür ist dieser Post nicht bestimmt; um diesen Anspruch zu erfüllen, arbeite ich weiter am Seminarkonzept und an einem Living Dō-Handbuch.
Weiteres demnächst.

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